Grundlagen
Der Einsatzablauf beschreibt die zeitliche und inhaltliche Abfolge aller Maßnahmen von der Alarmierung einer taktischen Einheit bis zum Abschluss des Einsatzes. Er ist kein starres Schema, sondern ein Orientierungsrahmen, der je nach Lage angepasst wird. Die FwDV 3 legt die Grundsätze des Einsatzablaufs für Gruppe, Staffel, Selbstständigen Trupp und Zug fest – sowohl für den Löscheinsatz als auch für den Hilfeleistungseinsatz. Ein strukturierter Ablauf verhindert Chaos, spart Zeit und erhöht die Sicherheit aller Beteiligten.
Phasen des Einsatzablaufs
- Alarmierung — Die Alarmierung erfolgt durch die Leitstelle – per Meldeempfänger (Piepser), stiller Alarmierung, Sirene oder Direktruf. Mit der Alarmierung beginnt die Ausrückezeit. Alle Kräfte begeben sich unverzüglich zum Fahrzeug.
- Ausrücken (Sitzordnung nach FwDV 3, Kap. 3) — Die Sitzordnung ist festgelegt und muss eingehalten werden. Die Sitzordnung der Gruppe in Fahrzeugen mit Gruppenkabine ist normiert: Gruppenführer, Maschinist, Melder, Angriffstrupp, Wassertrupp, Schlauchtrupp. Durch andere Anordnung von Atemschutzgeräten im Mannschaftsraum kann die Sitzordnung abweichen.
- Anfahrt — Während der Alarmfahrt: Angriffstrupp rüstet sich auf Befehl des Einheitsführers mit Atemschutzgeräten aus. Einsatzbefehl wird ggf. über Funk konkretisiert. Einsatzleiter erkundet Lage vorab.
- Erkundung und Lagefeststellung — Nach dem Eintreffen: Einheitsführer erkundet die Lage. Er bestimmt Fahrzeugaufstellung und gibt den ersten Befehl. Lagefeststellung umfasst: Art des Schadens, Bedrohte Personen, Gefahren für Einsatzkräfte, verfügbare Ressourcen.
- Befehlsgebung — Der Einheitsführer gibt den strukturierten Befehl (Mittel – Ziel – Weg). Befehle werden von der beauftragten Einsatzkraft oder dem Truppführer wiederholt. Kein Vorgehen ohne Befehl.
- Einsatzdurchführung — Die Trupps führen ihre Aufgaben aus: Angriffstrupp rettet und greift an, Wassertrupp stellt Wasserversorgung her, Schlauchtrupp unterstützt und verlegt Schläuche. Der Einheitsführer überwacht und koordiniert.
- Kontrolle und Lagefortschreibung — Der Einheitsführer hält kontinuierlich Lagekontakt. Er passt Befehle an veränderte Lagen an und fordert ggf. weitere Kräfte an.
- Abschluss des Einsatzes (FwDV 3, Kap. 5.7) — Alle Strahlrohre werden abgestellt. Schläuche und Geräte werden aufgenommen. Mannschaft wird auf Vollständigkeit geprüft. Einsatzbereitschaft wird wiederhergestellt.
Einsatzgrundsätze Löscheinsatz (FwDV 3, Kap. 5.3)
- Angriffs- und Wassertrupp sollen mit Atemschutzgeräteträgern besetzt sein
- Innenangriff mit Atemschutz erfordert mindestens eine Gruppe oder Staffel
- Wasserversorgung: zuerst Fahrzeug zum Verteiler, dann Fahrzeug zur Wasserentnahmestelle
- Trupp geht im Gefahrenbereich grundsätzlich gemeinsam vor
- Befehle werden von Beauftragten wiederholt
Einsatzgrundsätze Hilfeleistungseinsatz (FwDV 3, Kap. 7.2)
[Ergänzt durch allgemeine Ausbildungsinhalte:] Im Hilfeleistungseinsatz gelten dieselben Grundsätze mit besonderen Schwerpunkten:
- Zuerst: Eigensicherung und Absicherung der Einsatzstelle
- Sofortrettung vor Geräteaufbau – wenn Lebensgefahr unmittelbar
- Fahrzeugaufstellung mit Schutzstellung (schräg zur Fahrbahn)
- Atemschutz auch bei THL – Airbaggas, Kraftstoffdämpfe, Brandgase
Rechtsgrundlagen
- FwDV 3 – Einheiten im Lösch- und Hilfeleistungseinsatz, Stand: Februar 2008
- Kapitel 3 (Sitz- und Antreteordnung)
- Kapitel 5 (Einsatzablauf Gruppe/Staffel/Selbstständiger Trupp)
- Kapitel 5.7 (Abschluss des Einsatzes)
- Kapitel 7 (Einsatzablauf Hilfeleistungseinsatz)
Häufige Fehler
- Kein strukturierter Befehl – Trupps handeln ohne klare Aufgabe
- Befehl wird nicht wiederholt – Missverständnisse unentdeckt
- Einsatz ohne vorherige Lagefeststellung – Einheitsführer greift ins Unbekannte
- Sitzordnung nicht eingehalten – falsche Ausrüstung bei falscher Person
- Abschluss des Einsatzes vernachlässigt – Geräte fehlen, Mannschaft unvollständig
Ausbildung & Übungen
- Grundausbildung Truppmann: Sitzordnung, Aufgabenverteilung, Befehlsstruktur
- Gruppenführerausbildung: Erkundung, Befehlsgebung, Lagefortschreibung
- Einsatzübungen mit vollständigem Ablauf – von Alarmierung bis Abschluss
- Funkübungen: Befehlsgebung und Meldewesen im realen Einsatzfunk
Quellenangaben
Datei: FwDV 3 – Einheiten im Lösch- und Hilfeleistungseinsatz, Stand: Februar 2008
Abschnitt: Kapitel 5 (Einsatzablauf in Gruppe, Staffel, Selbstständigem Trupp)
Abschnitt: Kapitel 5.3 (Einsatzgrundsätze), Seite 17–19
Abschnitt: Kapitel 7 (Einsatzablauf Hilfeleistungseinsatz)
Teilweise ergänzt durch allgemeine Ausbildungsinhalte und Fachwissen.