Grundlagen
Wer im Feuerwehrdienst arbeitet, stößt auf Schritt und Tritt auf Abkürzungen: auf Funksprüchen, Einsatzbefehlen, Fahrzeugbeschriftungen, Formularen und in Ausbildungsunterlagen. Diese Kürzel sind kein Selbstzweck – sie sparen in zeitkritischen Situationen kostbare Sekunden, reduzieren Missverständnisse und sorgen für einheitliche Kommunikation bundesweit. Für Neueinsteiger und Auszubildende wirkt die Abkürzungsflut zunächst erschlagend. Mit dem richtigen Lernsystem und etwas Übung erschließen sich die Kürzel aber schnell. Dieser Artikel gibt einen systematischen Überblick über die wichtigsten Abkürzungen aus den Bereichen Fahrzeuge und Einheiten, Funk und Kommunikation, Organisation sowie persönliche Schutzausrüstung. Die hier aufgeführten Abkürzungen stammen überwiegend aus der FwDV/DV 810 (Sprech- und Datenfunkverkehr) und der DV 800 (Informations- und Kommunikationstechnik im Einsatz) sowie aus allgemein anerkannten Feuerwehr-Ausbildungsstandards.
Hintergrund
Das Abkürzungswesen in der Feuerwehr hat sich historisch entwickelt – aus der Notwendigkeit, im analogen Sprechfunk kurz und präzise zu kommunizieren. Mit dem Übergang zum Digitalfunk BOS (TETRA) wurden viele Abkürzungen formalisiert und in den Dienstvorschriften festgeschrieben. Gleichzeitig entstanden neue Kürzel für neue Technik (z. B. DMO, TMO, SDS). Wichtig: Nicht alle Abkürzungen sind bundesweit einheitlich. Manche Länder verwenden eigene Bezeichnungen für Fahrzeuge oder Funktionen. Im Zweifel gilt immer die dienstliche Weisung der zuständigen Behörde.
Fahrzeuge und Einheiten
Löschfahrzeuge
Abkürzung Bedeutung
HLF Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug
LF Löschgruppenfahrzeug
TLF Tanklöschfahrzeug
KLF Kleinlöschfahrzeug
MLF Mittleres Löschfahrzeug
TSF Tragkraftspritzenfahrzeug
TSF-W Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser
GTLF Großtanklöschfahrzeug
Spezialfahrzeuge und Rüstwagen
Abkürzung Bedeutung
RW Rüstwagen
GW-L Gerätewagen Logistik
GW-A Gerätewagen Atemschutz
GW-T Gerätewagen Taucher
ELW Einsatzleitwagen
KdoW Kommandowagen
MTW Mannschaftstransportwagen
WLF Wechselladerfahrzeug
AB Abrollbehälter
DLK Drehleiter mit Korb
TM Teleskopmast
Funk- und Kommunikationsabkürzungen
Die FwDV/DV 810 legt die Kommunikationsstandards im Digitalfunk BOS fest. Folgende Abkürzungen sind dabei besonders praxisrelevant:
Abkürzung Bedeutung
BOS Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben
DMO Direct Mode Operation (netzunabhängiger Direktbetrieb)
TMO Trunked Mode Operation (Netzbetrieb über Basisstationen)
TETRA Terrestrial Trunked Radio (Digitalfunkstandard)
TTB Taktisch-Technische Betriebsstelle
BDBOS Bundesanstalt für den Digitalfunk der BOS
SDS Short Data Service (Kurznachricht im Digitalfunk)
E2EE Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
AS Autorisierte Stelle für den Digitalfunk BOS
GPS Global Positioning System
MEZ Mitteleuropäische Zeit
MGSZ Mitteleuropäische Sommerzeit
HRT Handheld Radio Terminal (Handfunkgerät)
MRT Mobile Radio Terminal (Fahrzeugfunkgerät)
Abkürzung Bedeutung
FF Freiwillige Feuerwehr
BF Berufsfeuerwehr
WF Werkfeuerwehr
PF Pflichtfeuerwehr
JF Jugendfeuerwehr
KFV Kreisfeuerwehrverband
LFV Landesfeuerwehrverband
DFV Deutscher Feuerwehrverband
AFKzV Ausschuss Feuerwehrangelegenheiten, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung
FwDV Feuerwehr-Dienstvorschrift
UVV Unfallverhütungsvorschrift
GUV Gemeindeunfallversicherung
DGUV Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
ILS Integrierte Leitstelle
EL Einsatzleiter
EA Einsatzabschnitt
FüGK Führungsgruppe Katastrophenschutz
PSA und Ausrüstungsabkürzungen
Abkürzung Bedeutung
PSA Persönliche Schutzausrüstung
PA Pressluftatmer (umgangssprachlich für Atemschutzgerät)
CSA Chemikalienschutzanzug
GA Gasdichter Anzug
TS Tragkraftspritze
SW Schlauchwagen
VA Verteiler A
HD Hochdruck
ND Niederdruck
DNS Drucknaht-Schlauch
B-Schlauch Schlauch mit B-Kupplung (75 mm)
C-Schlauch Schlauch mit C-Kupplung (52 mm)
SR Strahlrohr
MSR Mehrzweckstrahlrohr
Abkürzungen im Sprechfunk
Im Sprechfunkverkehr werden bestimmte Verfahrenswörter und Abkürzungen verwendet, die in der FwDV/DV 810 geregelt sind. Sie dienen der schnellen und eindeutigen Kommunikation auf der Einsatzstelle.
Begriff / Abkürzung Bedeutung im Sprechfunk
Kommen Aufforderung zur Antwort (Ende der Durchsage)
Verstanden Nachricht korrekt empfangen und verstanden
Ende Gespräch wird beendet (nur durch Anrufenden)
Warten Gegenstelle kann Nachricht nicht sofort aufnehmen
Ich buchstabiere Ankündigung der Buchstabierfolge
Ich berichtige Korrektur eines Durchgabefehlers
Ich wiederhole Wiederholung der Nachricht auf Anfrage
Blitz / Sofort / Dringend Vorrangstufen von Nachrichten (absteigend)
SDS Kurzmitteilung im Digitalfunk (Short Data Service)
Häufige Fehler
Im Ausbildungsalltag begegnen immer wieder die gleichen Fehler im Umgang mit Abkürzungen:
- Abkürzungen erfinden: Eigenkreationen führen zu Missverständnissen, besonders bei überörtlichen
Einsätzen.
- Falsche Aussprache im Funk: z. B. 'Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug' statt 'HLF' – das kostet Zeit.
- Verwechslung von DMO und TMO: Beide Betriebsarten haben unterschiedliche Reichweiten und
Ausfallrisiken.
- Veraltete Abkürzungen verwenden: Manche Kürzel aus der Analogfunkzeit gelten im Digitalfunk nicht mehr.
- Unbekannte Abkürzungen nicht nachfragen: Im Zweifel immer nachfragen – fehlerhaftes Verstehen kostet Leben.
Ausbildung & Übungen
Abkürzungen lernt man am besten durch regelmäßige Wiederholung und aktive Anwendung. Folgende
Methoden haben sich in der Ausbildung bewährt:
- Karteikartensystem: Vorderseite Abkürzung, Rückseite Bedeutung – klassisch, aber effektiv.
- Fahrzeugkunde im Feuerwehrhaus: Alle Fahrzeuge abgehen und Beschriftungen laut lesen und erklären.
- Funkübungen: Regelmäßige Sprechfunkübungen mit korrekter Verwendung der Verfahrenswörter.
- Abkürzungsquiz im Ausbildungsdienst: spielerisches Lernen in der Gruppe steigert Motivation und
Behaltensleistung.
Weiterführendes
- FwDV/DV 810: Anlage 1 enthält das offizielle Abkürzungsverzeichnis für den Digitalfunk BOS.
- DV 800 (IuK-Technik im Einsatz): Ergänzende Abkürzungen und Fachbegriffe in Anlage 2–4.
- Landesspezifische Fahrzeugbezeichnungen: Im jeweiligen Landesrecht oder Kreisfeuerwehrverband anfragen.
- Weitere Themen auf Feuer-Pedia.de: Funkverhalten, Funkrufnamen, Funkgeräte.
Quellenangaben
Datei: FwDV/DV 810, Stand: 14.09.2018 – Anlage 1 Abkürzungsverzeichnis
Datei: DV 800 – Informations- und Kommunikationstechnik im Einsatz, Stand: 06.11.2017
Teilweise ergänzt durch allgemeine Ausbildungsinhalte und Fachwissen (Fahrzeugbezeichnungen,
Ausbildungsmethoden).