Grundlagen
Einsätze auf der Bundesautobahn (BAB) gehören zu den gefährlichsten Lagen für Feuerwehrangehörige. Hohe Fahrgeschwindigkeiten, mangelnde Sichtbarkeit und enger Raum auf dem Standstreifen erzeugen eine extreme Unfallgefahr für Einsatzkräfte. Gleichzeitig sind BAB-Unfälle oft schwere Lagen mit mehreren eingeklemmten Personen, Gefahrstofftransporten und komplexer Logistik.
Sofortmaßnahmen bei der Anfahrt
- Leitstelle informiert Autobahnpolizei und sperrt ggf. Spuren (über VKS – Verkehrsleitzentrale)
- Einsatzfahrzeuge gegen den Verkehrsfluss aufstellen (Schräg zur Fahrbahn – Schutzstellung)
- Sofort Absicherung entgegen Fahrtrichtung aufbauen (800 m auf freier Strecke)
- Warnblinkanlage, Fahrlicht und Blaulicht der Fahrzeuge einschalten
- Leitkegel und Blitzleuchten auswerfen (Keil aus dem fahrenden Fahrzeug, wenn sicher)
Schutzstellung Feuerwehrfahrzeuge werden schräg zur Fahrbahn aufgestellt (ca. 45°, Heck zur Fahrbahn), um als Prallschutz für Einsatzkräfte zu dienen. Der Einsatzbereich liegt im Windschatten des Fahrzeugs – dem Schutzbereich.
Besondere Gefahren auf der BAB
- LKW-Gefahrguttransporte: UN-Nummer prüfen, ERG nutzen, Abstände einhalten
- Sekundärunfälle: Weitere Fahrzeuge fahren in gesperrten Bereich – ständige Überwachung
- Kraftstoffaustritt: Explosionsgefahr; Funken vermeiden; Bindemittel aufbringen
- Airbags: Nicht ausgelöste Airbags in THL-Fahrzeugen – ERG nutzen
- Elektro-/Hybridfahrzeuge: HV-Sicherung beachten
- Rettungsgasse: Muss von Feuerwehr und Rettungsdienst genutzt werden; Blockierung melden
Rettungsgasse [Ergänzt durch allgemeine Ausbildungsinhalte:] Die Rettungsgasse wird bei stockendem oder stehendem Verkehr von Fahrzeugführern frei gehalten. Auf zweispurigen Straßen: links ran / rechts ran. Auf mehrspurigen Straßen: ganz links / alle anderen rechts. Die Feuerwehr muss die Rettungsgasse nutzen und darf keine unnötigen Haltepunkte außerhalb bilden.
THL auf der BAB
- Patientenversorgung immer im Schutzbereich hinter den Fahrzeugen
- Spreizer, Schneidgerät und Rettungszylinder wie bei normalem THL-Einsatz
- Bei mehreren Verletzten: Sichtungssystem (SBART/STaRT) anwenden
- Luftrettung frühzeitig anfordern bei schwerst Verletzten
- Einsatzdokumentation für Unfallermittlung sicherstellen
Rechtsgrundlagen
- FwDV 1, Kap. 19 – Sichern von Einsatzstellen
- StVO § 35 – Sonderrechte; § 38 – Wegerecht
- UVV Feuerwehren (GUV-V C53)
Häufige Fehler
- Absicherung zu spät oder zu nah
- Kein Schutzstellungsmanöver der Fahrzeuge
- Rettungsgasse nicht genutzt – Verzögerung
- Einsatzkräfte arbeiten verkehrsseitig ohne Schutz
Quellenangaben
Datei: FwDV 1, Stand: September 2006, Kapitel 19 (Sichern von Einsatzstellen), Seiten 147–151
Ergänzt durch allgemeine Ausbildungsinhalte und Fachwissen (BAB-Taktik, Schutzstellung, Rettungsgasse).