Grundlagen
Der Innenangriff ist die unmittelbare Brandbekämpfung im Gebäudeinneren unter Atemschutz – das gefährlichste, aber oft einzig wirksame Mittel zur Personenrettung und Brandbekämpfung. Er erfordert physische Fitness, präzise Ausrüstung, klare Kommunikation und ein vertieftes Verständnis von Branddynamik und Eigenrettung. Die FwDV 3 legt fest, dass ein Innenangriff mit Atemschutz nur durchgeführt werden kann, wenn mindestens eine Gruppe oder Staffel an der Einsatzstelle ist – nicht mit einem Selbstständigen Trupp. Hintergrund: Der Sicherheitstrupp muss aus dem Wassertrupp gestellt werden, der einsatzbereit sein muss, bevor der Angriffstrupp eintritt. Moderne Branddynamik (Flash-over, Backdraft, Rauchgasexplosion) macht den Innenangriff anspruchsvoller als je zuvor. Gut ausgebildete Einsatzkräfte, die das Verhalten von Brandgasen lesen können, sind dabei einem Innenangriff 'auf gut Glück' weit überlegen.
Voraussetzungen für den Innenangriff
- Mindestens Gruppe oder Staffel an der Einsatzstelle
- Wasserversorgung gesichert oder ausreichend Tankwasser
- Atemschutzüberwachung eingerichtet und aktiv
- Sicherheitstrupp (Wassertrupp) in Atemschutz bereit
- Angriffstrupp vollständig ausgerüstet und geprüft
- Einheitsführer hat Lage erkundet und Befehl gegeben
- Kommunikationsweg zwischen Trupp und Führung sichergestellt
Ausrüstung des Atemschutztrupps
- Pressluftatmer mit geprüftem Flaschendruck (mind. 280 bar)
- Atemschutzmaske (korrekt sitzend, Dichtkontrolle)
- PASS-Gerät (aktiviert!)
- Wärmebildkamera (sofern vorhanden)
- Handscheinwerfer oder Kopfleuchte
- Handfunkgerät (HRT) auf Einsatzkanal, DMO
- Feuerwehrleine oder Richtungsleine
- Strahlrohr (C-Rohr oder Mehrzweckstrahlrohr)
Taktik und Durchführung
Vor dem Eintritt
Türkontrolle: Türblatt auf Wärme prüfen (Handrücken). Klinke prüfen. Tür anlehnen – nicht aufreißen. Erste Öffnung vorsichtig: Rauch, Temperatur, Wärmeentwicklung beurteilen. Wärmebildkamera einsetzen. Richtungsorientierung Trupp orientiert sich an Wänden, Geländern, Schläuchen. Schlauchleitung als Rückzugsorientierung nutzen. Richtungsangaben klar kommunizieren: 'Wir gehen links in den Flur.' Strahlrohreinsatz Kein ungerichteter Wasserstrahl – Wasserführung zielgerichtet zum Brandherd. Sprühstrahl unter der Rauchschicht kühlt ohne Dampfexplosion. Direktstrahl nur bei lokalisiertem Brand. Rauchgasmanagement Im Innenangriff gilt: unter der Rauchschicht bleiben. Heißer Rauch an der Decke enthält unverbrannte Gase – ein Aufsteigen in diese Zone ist lebensgefährlich. Wärmebildkamera zeigt Temperaturunterschiede. Rückzug Rückzugsdruck rechtzeitig beachten. 1/3-Regel: 1/3 Luftvorrat vorwärts, 1/3 zurück, 1/3 Reserve. Bei Notsignal sofort Rückzug. PASS-Alarm: sofort Atemschutznotfall melden.
Atemschutzüberwachung (FwDV 7, Kap. 7.4)
Die Atemschutzüberwachung ist nicht optional – sie ist Pflicht. Ein Feuerwehrangehöriger führt die Liste: Eintrittsdruck, Eintrittszeit, Rückzugsdruck, berechnete Rückzugszeit. Regelmäßige Druckmeldungen des Trupps per Funk. Bei Überschreitung: sofortiger Alarm.
Rechtsgrundlagen
- FwDV 3 – Einheiten im Lösch- und Hilfeleistungseinsatz, Kap. 5.1 und 5.3
- FwDV 7 – Atemschutz, Kap. 7 (Einsatzgrundsätze) und 7.4 (Atemschutzüberwachung)
Häufige Fehler
- Innenangriff ohne Sicherheitstrupp – verboten
- PASS-Gerät nicht aktiviert
- Keine Druckmeldungen an Atemschutzüberwachung
- Zu lang vorgehalten – Rückzugsdruck unterschritten
- Keine Richtungsorientierung – Trupp orientierungslos
- Kein Funkgerät oder falscher Kanal – kein Kontakt zur Außenwelt
Quellenangaben
Datei: FwDV 3 – Einheiten im Lösch- und Hilfeleistungseinsatz, Stand: Februar 2008
Kapitel 5.1 (Grundsätzliches), Kapitel 5.3 (Einsatzgrundsätze)
Datei: FwDV 7 – Atemschutz, Kapitel 7 und 7.4
Ergänzt durch allgemeine Ausbildungsinhalte (Branddynamik, Backdraft, Rauchgasmanagement).